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Sèvres – Stadt der Kunst und der Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung von Sèvres geht 558 aus der Gründungsurkunde Childeberts I. der Abtei von Saint-Germain-des-Prés hervor, « deren Grenzen sich bis an das Flüsschen Savara erstreckten ». 560 existierten eine Kirche und ein kleines Dorf. Nachdem die Kirche im Verlauf der Jahrhunderte durch Invasionen und Kriege zerstört und wiederaufgebaut worden ist, hat der heutige Kirchenbau, der dem heiligen Romanus, dem Schutzpatron der Binnenschiffer, geweiht ist, aus dem 12. Jahrhundert noch die Basis des Glockenturms und aus dem 13. Jahrhundert das Glockenjoch.Als Ludwig XIV. sich an den Bau des Versailler Schlosses machte, wurden im Hafen von Sèvres wertvolle Hölzer, Marmor, Statuen und die gesamte Ausrüstung, die für den Bau des Schlosses nötig war, angeliefert. Im Hafen und auf der schlechten Dorfstraße herrschte ein emsiges Treiben. 1682 wurde Versailles zum Sitz des Königs. Um schneller nach Paris zu kommen, ließ der König 1684 die erste Sèvrer Brücke (Pont de Sèvres) aus Holz bauen. Diese überspannte die Sêve-Insel, die heutige Seguin-Insel.

Eglise Saint-Romain - Intérieur

L’église Saint-Romain

1739 beschloss Ludwig XV. mit einer Neuausrichtung der Häuser und der Erneuerung des alten holprigen Weges eine Sanierung des kleinen Ortes. Die Porzellanmanufaktur wurde 1756 in Sèvres auf Wunsch von Madame de Pompadour in den Gebäuden des heutigen Internationalen Pädagogischen Studienzentrums errichtet. Die Lieblingsfrau des Königs empfing mit Vorliebe Ludwig XV. und seine Freunde in kleinstem Kreise in Bellevue und in Brimborion. Zur selben Zeit wurde der König zum Alleinherrscher über Sèvres. Der kleine Ort dehnte sich in alle Richtungen aus. Neue Aktivitäten entwickelten sich : eine Gemäldemanufaktur, verschiedene kleine Fabriken und königliche Weinhändler. Philippe Lambert, der später Bürgermeister wurde, entdeckte in seiner Manufaktur die Geheimnisse der Kristallfabrikation. Die Königliche Porzellanmanufaktur, die Kristallmanufaktur der Königin, die Königliche Kellerei und die Pferdestation des Königs und der Königin zogen Künstler, Handwerker und Arbeiter an. Die Bevölkerung von Sèvres wuchs beständig, während es den Winzern und Wäschern blendend ging.

Cité de la céramique - Façade

Sèvres – Cité de la céramique

Nachdem die Holzbrücke baufällig geworden war, ordnete Napoleon den Bau einer neuen Steinbrücke an, deren Arbeiten 1808 begannen. Als sie 1815 während der Kampfhandlungen gegen die Preu?en beschädigt wurde, wurde sie endlich 1820 eingeweiht. Im Verlauf der Entwicklung der Eisenbahn wurde die Strecke Paris-St-Lazare /Versailles (rechte Seineseite) 1839 und die Strecke Montparnasse /Versailles (linke Seineseite) 1840 eingeweiht. Sèvres wurde dadurch zum bevorzugten Wohnort auf dem Lande vor den Türen von Paris. Die Eisenbahn zog die Pariser, die hier Grundstücke für ihre Landhäuser kauften, stark an. Zu den berühmtesten Einwohnern zählten Sisley, Jules Sandeau, Renan, Balzac, Gambetta, Hetzel und Eiffel.

Gare Sèvres-Ville d'Avray en 1839 - Carte postale

Gare Sèvres-Ville d’Avray en 1839

Durch die neuen Transportmittel entwickelte sich die Industrie in Sèvres weiter. Zwei Munitionsfabriken siedelten sich in Bruyères an: Gévelot im Jahr 1827 und Gaupillat 1834. 1846 arbeiteten dort fast 600 Personen. Die letzte Munitionsfabrik schloss 1979. An der Stelle der ehemaligen « Königlichen Kellerei » errichtete J. B. Reinert 1852 die erste Brauerei Sèvres. Weitere Brauereien folgten. Bis 1950 wurde dort Bier gebraut. Die letzte Brauerei verschwand 1988.

La manufacture de céramique depuis 1756

La Manufacture de Céramique perpétue la tradition depuis 1756

1861 fingen die Bauarbeiten einer neuen, funktionelleren Manufaktur und eines Gebäudes für das Keramikmuseum auf einem Grundstück der Stadt Saint Cloud, das Sèvres von Napoleon III. geschenkt worden war, an. Die Einweihung wurde 1876 von Mac Mahon durchgeführt. 1884 wurden die ersten Laboratorien des Internationalen Amtes für Ma?e und Gewichte im Pavillon von Breteuil eingerichtet. Das Amt, das auf dem Gelände von Saint-Cloud und mit seinem Eingang in Richtung Sèvres liegt, hat wie eine Botschaft exterritorialen Status.

1897 errichtete Louis Renault in Boulogne-Billancourt eine Automobilbauwerkstatt, die sich ab 1919 bis auf die Seguin-Insel erstrecken sollte. Viele Einwohner Sèvres arbeiteten dort. Zwischen 1942 und 1944 wurde die vom Feind beschlagnahmte Fabrik mehrfach bombardiert, und man beklagte Tote aus Sèvres’ Unterstadt. Die Stadt selbst wurde am 24. August 1944 von der 2. Panzerdivision, die 7 Soldaten bei dem Kampf verlor, befreit.

Le Sel - Intérieur

Le SEL est le lieu stratégique de toutes les expressions culturelles à Sèvres. Cet ancien pavillon Baltard a accueilli le marché jusqu’au milieu des années 60.

Kurz vor Beginn des 21. Jahrhunderts hat sich die Stadt viele moderne öffentliche Einrichtungen erlaubt: das Kulturzentrum SEL, das sich im ehemaligen Marktgebäude des Baltard-Pavillons befindet, das Konservatorium, die Sporthallen, die neue Bibliothek und Mediathek, das Jugendin-formationszentrum Escale und das Haus der Vereine. Von nun an sollen Städtebauma?nahmen zu einem harmonischen städtischen Zentrum beitragen: Grünflächen und andere freie Plätze sollen angelegt werden, wo man sich treffen kann, denn die Lebensqualität ist, natürlich, Programm in Sèvres.

Bersetzung aus dem Französischen: Giselher Klose, Wolfenbüttel.
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